Liebe Leserinnen und Leser

Gratulation, Sie gehören zu den Glücklichen, welche die erste Ausgabe des elektronischen Newsletters von climatop erhalten. Seit der Gründung vor etwas mehr als einem Jahr hat sich climatop sehr erfolgreich entwickelt. Der Moment ist nun gekommen, einen Newsletter ins Leben zu rufen, um Sie regelmässig - aber nicht zu oft – darüber auf dem Laufenden halten, was bei climatop, aber auch in unserem Arbeitsgebiet national und international passiert.


Inhalte des Newsletters:
-    Neue climatop-Produkte: Haarspray, Balkonerde, Abwaschbürste
-    Aktuelles: Spargel-Saison
-    Technische Erläuterungen: Lebenszyklusanalysen, Innovationen
-    Internationales: Aufbau und Zusammenarbeit
-    Fragen und Informationen: Kontakt


Durch unseren Konsum lösen wir unweigerlich klimabelastende Emissionen aus. Die Klima- respektive Energieproblematik kann nicht durch eine einzige, „magische“ Erfindung gelöst werden. Es werden tausende von kleinen und grossen Verbesserungen, Erfindungen oder Änderungen sein, die in ihrer Summe die Klimabelastung auf ein langfristig erträgliches Mass reduzieren werden.

Die bei weitem wirkungsvollsten Massnahmen setzen beim Sparen, dem Verhindern von Emissionen an. Das riesige Einsparungspotential von Treibhausgasemissionen muss jedoch zuerst zugänglich gemacht werden. Dazu dienen was wir intern „Smarte Produkte“ nennen. Kluge Güter sind solche, bei denen der normale Produktionspfad mit dem Ziel verlassen wurde, emissionsarme Produkte zu entwickeln. Weltweit gibt es unzählige Projekte, bei welchen Ingenieure, Wissenschaftler und Firmen an der Entwicklung solcher emissionsarmen Produkte und Dienstleistungen arbeiten.

Die Ricoter Erdaufbereitung AG hat zum Beispiel ihre Produktionsmethoden und die Rezeptur verschiedener Erden angepasst. Sie ersetzten in mehreren Erden den Torf durch Rindenkompost und Holzschnitzel aus der Schweiz. Der Ersatz von Torf durch „Abfälle“ aus der Holzindustrie ist nicht so banal wie das tönen mag. Zuerst muss die Lieferungslogistik völlig neu aufgezogen werden. Dann muss die Rinde so kompostiert werden, dass sie torfähnliche chemische und physikalische Eigenschaften aufweist. Dies sind echte Innovationen. Sie wurden mit dem klaren Ziel unternommen, emissionsärmere Erden zu produzieren.

Die Aufgabe von climatop ist es, die Treibhausgasemissionen dieser „smarten“ Güter zu berechnen, sie mit ähnlichen Produkten zu vergleichen und mit dem climatop Label zu versehen, sofern die CO2-Ausstösse signifikant tiefer sind. Das Label climatop vereinfacht den Konsumenten dadurch die Entscheidung, wie sie mit ihrem Kaufverhalten zu einer tieferen Klimabelastung beitragen können.

Mit dem CO2-Label „approved by climatop“ wurden seit der Gründung über 40 Produkte verschiedener Anbieter ausgezeichnet. In unserem Newsletter möchten wir Sie jeweils über unsere neuesten Produkt-Analysen informieren – in dieser Ausgabe aus den Bereichen Garten, Haushalt und Körperpflege. Zudem berichten wir über die aktuellen nationalen und internationalen Entwicklungen in den Bereichen „Lebenszyklusanalysen“ und Labelling. Wir kommentieren aktuelle Vorkommnisse, erläutern von Zeit zu Zeit technische Fragen und halten Sie über unsere Arbeit auf dem Laufenden.

Ich freue mich Sie als Leser begrüssen zu dürfen und wünsche Ihnen eine angenehme Lektüre.

Mit herzlichen Grüssen

Heinz Schmid
Geschäftsleiter climatop

Klimafreundliches Haar-Styling

Die klimafreundlichsten Haarsprays im Migros- Sortiment – alles Pumpsprays - sind neu mit dem Label „approved by climatop“ gekennzeichnet.
Die unabhängige Studie von climatop hat ergeben: Haarsprays mit Pumpdüse sind klimafreundlicher als ihre Verwandten aus der Sprühdose. Weil die Pumpsprays keine unter Druck stehenden Treibmittel enthalten, benötigen sie keine energieintensive Metallverpackung. Dadurch verursachen sie nur halb so viel klimaschädliche Emissionen. Die 6 ausgezeichneten Haarsprays der Marken I Am und Golden Hair Professional erhalten sie in mehreren Produkt-Varianten bei Migros.

Wenn Sie sich weiter über diese climatop-Analyse informieren möchten, lesen Sie unser Factsheet!

Gelungener Frühlingsstart mit climatop Balkonerden von Ricoter

Die Ricoter Erdaufbereitung AG führt Erdmischungen, die dank dem Verzicht auf Torf besonders klimafreundlich sind. Mit den torffreien Produkten von Ricoter können (Hobby-) GärtnerInnen klimaschonend pflanzen.
Die meisten heute erhältlichen Erdmischungen enthalten Torf. Bei der biologischen Zersetzung von Torf im Balkonkistchen oder schlussendlich auf dem Kompost gelangen grosse Mengen an fossil konserviertem CO2 in die Atmosphäre. Durch den Verzicht auf Torf vermeidet Ricoter jährlich 770 Tonnen CO2. Dies ist gleichbedeutend mit einer 100-fachen Weltumrundung in einem durchschnittlichen Personenwagen (CO2-Ausstoss: 200g/km)! Anstatt Torf verwendet Ricoter für die climatop-Erden Schweizer Rindenkompost und Holzfasern aus Holzschnitzeln. Über den gesamten Lebenszyklus, von der Rohstoffgewinnung bis zur Zersetzung, emittieren die prämierten Produkte zwei Drittel weniger Treibhausgase als vergleichbare, torfhaltige Erden – bei gewohnter Qualität, selbstverständlich. Ein würdiger CO2-Champion!
Die ausgezeichneten Erden finden sie im Gartenfachhandel in verschiedenen Grössen und Varianten für Balkon und Garten.

Wenn Sie sich weiter über diese climatop-Analyse informieren möchten, lesen Sie unser Factsheet.

Klimafreundliche Abwaschbürsten

Neu können Sie aus dem Migros-Sortiment dank climatop auch für den Abwasch die klimafreundlichste Entscheidung treffen. Die Miobrill-Holzbürste mit auswechselbarem Kopf schneidet im Vergleich mit anderen Bürsten deutlich besser ab.
Auch wenn man den auswechselbaren Kopf der Bürste nicht berücksichtigt: bei der Herstellung, der Verpackung, dem Transport und der Entsorgung der Holzbürste fallen im Vergleich zu Bürsten aus Kunststoff nur ein Viertel der klimabelastenden Emissionen an. Die Kunststoff-Bürsten werden aus Erdöl hergestellt. Bei deren Entsorgung wird fossiler Kohlenstoff in die Atmosphäre abgegeben. Holz hingegen ist ein bei uns nachwachsender Rohstoff. Das bei der Verbrennung freigesetzte CO2 wurde zuvor von der Pflanze aus der Luft aufgenommen. Das verarbeitete Buchenholz ist FSC-zertifiziert, es stammt aus nachhaltiger Forstwirtschaft. Die langlebige Bürste kann zusammen mit dem Geschirr in der Abwaschmaschine hygienisch gereinigt werden – sie ist hitzebeständig bis 110°C. Verwenden Sie zusätzlich auch die Miobrill Ersatzköpfe, können Sie das Klima weiter entlasten. Beide Artikel finden Sie bei Migros.

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Weitere climatop-Produkte in der Pipeline

In den nächsten Wochen, werden weitere ausgezeichnete Produkte auf der climatop-Webseite kommuniziert. Schauen Sie vorbei auf www.climatop.org oder informieren Sie sich im nächsten Newsletter.

Die Spargel-Bilanz von climatop aus dem Frühjahr 2009 bleibt aktuell

Im letzten Frühling hat climatop im Auftrag der Migros Spargel aus dem Migros-Sortiment hinsichtlich seiner Klimabelastung untersucht. Das Resultat ist verblüffend: weisser Spargel aus Peru unterscheidet sich in seiner Klimabelastung trotz des Transportes von Peru nach Europa kaum von europäischem Spargel. Das ist schwer zu glauben, werden Sie sagen. Aber es ist so und zwar, weil der weisse Spargel dank einer neuen Verpackungstechnik - ohne Probleme für Frische, Nährstoffe und Geschmack - „smart“ per Schiff und nicht mehr auf dem Luftweg befördert wird. Seit 2008 hat der von climatop untersuchte Produzent die Luftfrachttransporte um 80% senken können. Damit hat er im Schweizer Import bis heute 9'000 Tonnen CO2 eingespart. Das ist soviel, wie alle 132'000 Stadtzürcher Autobesitzer bei einer Rundfahrt nach Fribourg zusammen ausstossen würden (CO2-Ausstoss für Mittelklassewagen: 200g/km). Aber Achtung: beim Grünen Spargel funktioniert das Verpackungssystem aus biologischen Gründen bisher nicht. Grüner Spargel aus Übersee muss nach wie vor per Flugzeug transportiert werden, was seine Gesamtklimabelastung auf das zehnfache des heimischen und des weissen peruanischen Spargels anwachsen lässt.

Der von climatop analysierte Spargel stammt von der einzigen BSCI zertifizierten Firma in der Region. Er  kommt aus sozial und ökologisch vorbildlicher Produktion und gedeiht an der Pazifikküste unter optimalen klimatischen Bedingungen.

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Lebenszyklusanalysen und Ökobilanz

Für die sogenannten Lebenszyklusanalysen (LCAs) nach ISO-Standard 14040 werden viele Daten direkt beim Anbieter erhoben (z.B. Energieverbrauch, Düngereinsatz). Diese Primärdaten werden mit Werten aus der international anerkannten Schweizer Datenbank für Ökoinventare ecoinvent ergänzt, z.B. zur Berechnung von Transportemissionen. Die Analyse umfasst schlussendlich alle klimabelastenden Teilprozesse der Produktion von seiner Entstehung bis zur Entsorgung, sprichwörtlich „von der Wiege zur Bahre“. Für eine CO2-Bilanz werden die verschiedenen Klimabelastungen auf CO2-Äquivalente (CO2-eq) umgerechnet (gemäss IPCC 2007). Eine Tonne Methan, zum Beispiel, ist 25 Mal klimawirksamer als eine Tonne CO2, und entspricht daher einer CO2-Emission von 25 Tonnen CO2-eq. Durch diese Vereinheitlichung können die Resultate der Lebenszyklusanalysen miteinander verglichen werden. Neben der Analyse der Klimabelastung wird zusätzlich auch eine Überprüfung der allgemeinen Umweltbelastung durchgeführt. Die auszuzeichnenden Produkte müssen zudem die climatop Sozial- und Umweltstandards erfüllen. Verursachen Produkte signifikant weniger CO2-eq-Emissionen als vergleichbare Produkte (in der Regel 20%), wird es mit dem Label „approved by climatop“ zum CO2-Champion gekürt. Die Gültigkeit des Labels beträgt zwei Jahren und kann nach erneuter Überprüfung der Benutzungsberechtigung verlängert werden.

Angepasste Technologie für den climatop-Spargel

Die Folie, mit welcher der weisse peruanische Spargel verpackt und transportiert wird, ist für Luftsauerstoff und Kohlendoxid nicht gleich durchlässig (semipermeabel). Luftsauerstoff kann in die Verpackung eindringen. Weil Gemüse und Früchte bei der Ernte nicht sterben sondern weiterhin „leben“ – also wie Menschen Luftsauerstoff veratmen und Kohlendioxid abgeben -, entsteht auch während des Schiff-Transports aufgrund der Spargelatmung Kohlendioxid. Dieses bleibt nun aber in der semipermeablen Folie gefangen, was zu einem erhöhten Kohlendioxid-Gehalt innerhalb des Beutels führt. Das führt zu Lagerbedingungen bei denen der Spargel seine Atmung reduziert, quasi „schläft“, und auf diese Weise nicht altert. Wir nennen das „frisch bleiben“. Bei uns kennt man dieses Verfahren, „Controlled Atmosphere“ genannt, zum Beispiel bei Äpfeln schon seit Jahren. Wie sonst wäre es möglich, dass wir im März noch knackfrische Äpfel aus heimischer Produktion kaufen können. Der wesentliche Unterschied zu den Spargelverpackungen liegt darin, dass bei Äpfeln der Lagerraum mit baulichen Massnahmen hermetisch geschlossen und mit industriell erzeugtem Kohlendioxid auf das notwendige Niveau angereichert wird.

Vernetzung und Zusammenarbeit

climatop ist dank intensiven Bemühungen daran, international als technisch kompetentes und glaubwürdiges Label anerkannt zu werden.

Seit der Vereinsgründung hat climatop Kontakte zu Organisationen aus wichtigen europäischen Ländern und Japan aufgebaut. Für 2010 ist die Durchführung einer international einmaligen Vergleichsstudie zu CO2-Lebenszyklusanalysen (LCA, siehe technisches „was ist was?“) unter der Federführung von climatop geplant. Das Ziel dieser Studie ist, die internationale Harmonisierung im Bereich LCA und Klimalabelling voranzutreiben. Über die Fortschritte dieser vielversprechenden Zusammenarbeit werden wir Sie in den kommenden Newsletters informieren.

 

Fragen und Informationen

Sie möchten mehr über climatop erfahren oder haben eine ungeklärte Frage? Besuchen Sie unsere Website www.climatop.org (Rubrik häufige Fragen). Sollten dennoch Unklarheiten auftauchen, freuen wir uns auf ihre Nachricht per e-mail an: info@climatop.ch



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